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Besprechung: Traills Demos and Trittys

Konrad H. Kinzl (Trent University)

 

Gymnasium 96 (1989) 560-61

 

   

   

 

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John S. Traill: Demos and Trittys: epigraphical and topographical studies in the organisation of Attica. Toronto (Athenians, Victoria College) 1986. viii, 150 S. 16 [plates]. 5 [maps] [CAD] 36.

 

Zu Beginn seiner Vorrede gibt T(raill) seiner Befürchtung Ausdruck, sein Gegenstand könnte zu Tode studiert werden. Er beweist damit wohl mehr gelehrte Einsicht, als manchen seiner Kollegen lieb sein mag. Man bedauert, daß T seine erhebliche Energie hauptsächlich der Materialaufbereitung widmet, obgleich er bei gelegentlichen Versuchen der historischen Auswertung sich als bestqualifiziert zeigt (z.B. Hesperia 47, 1978, 109, “Appendix”).

Die attischen Trittyen erscheinen hier zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre im Titel eines Buches (vgl. P. Siewert, Die Trittyen Attikas, München 1982; Rez. Gymnasium 93, 1986, 556ff.). Ts Demos und Trittys (D&T) folgt im Aufbau dem Vorgänger, The Political Organization of Attica (POA), Princeton 1975 (= Hesperia Suppl. 14): Detailuntersuchungen zu einzelnen Inschriftentexten, Spezialproblemen etc., mit Tabellen, Plänen, Abbildungen etc. Die ideale Lösung wäre eine Neuauflage von POA gewesen, in der weiterhin gültige Ergebnisse von POA mit dem neuen Material aus D&T und etlichen der wichtigen Ansätze verschmolzen wären.

Die Aufgabe des Konzepts ungleichgroßer Trittyenkontingente in der Boule durch T stellt wohl eine der wichtigsten Neuerungen in D&T dar. T nimmt nun ebenfalls an, daß die Quoten exakte Drittel ergaben (17+17+16=50). Ich möchte die Frage aufwerfen, ob das Prinzip der Trittyengleichheit nicht auch auf die Zeit nach den zehn Phylen auszudehnen ist. 1+24+25 bzw. 1+19+30 (Kekropis in der Periode der 12 bzw. derjenigen der 13 Phylen) scheint unglaubwürdig, besonders wenn daneben 17+17+16 (Aiantis in der Periode 307/6-224/3) auftritt (29f. 90). Ts neue Lösung für Acharnai mit seinen 22 Bouleuten in der Zehnphylenzeit wird wohl nicht viele Anhänger gewinnen: T postuliert zwei Siedlungszentren, die er auf zwei verschiedene Trittyen verteilt und wodurch er die Zahl der Demen auf 140

 

   

   

 

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erhöht. Zudem hält er an der Zweiteilung für die Folgezeiten fest, obgleich seiner Ansicht nach in der Zeit der 12 oder 13 Phylen ein anomal großer Demos Acharnai kein Problem sein sollte. Es scheint mir bedauerlich, daß T Aristoteles’ (Ath. pol. 21,3) Behauptung ernst nimmt, Attika sei von Kleisthenes in drei Regionen unterteilt worden — gleich allen Forschern seit 1891 (dagegen meine Besprechung Siewert, a.O.; [AHB] 1, 1987, 25-33; Chiron 19, 1989, [347-65]). T muß daher auch Siewerts Konzept der Enklave im Prinzipt übernehmen, denn nur so lassen sich Inschriften und Ath. pol. 21,3 notdürftig in Einklang bringen. Die Eigentümlichkeit der attischen Trittyen wird von T zu Recht unterstrichen. Man mag fragen, ob dies nicht mit der großen Bevölkerungszahl Athens zu tun hatte: Unterteilung der Phylen in Trittyen zum Auffangen einer wachsenden Bevökerung (gegenüber der römischen Lösung, die [Tribus]zahl zu erhöhen — was in Athen im Rahmen der kleisthenischen Reformen stattfand).

Sechs Kapitel, mit zahlreichen Appendizes, Plänen, Abbildungen, usw. behandeln: “I. The bouteutic quotas of Kekropis and Hippothontis” (1-30). “II. The trittyes of Pandionis” (31-51). “III. The catalogue of Attic demes” IG I[I]2 2362 (52-78). “The epimeletai of the phyle” (79-92). “V. The Attic trittys markers and trittys names” (92-122). “VI. Conspectus of deme quotas and locations” (123-149). 16 Seiten Tafeln mit vorzüglichen Abbildungen wichtiger Inschriften, einschließlich der gesamten Sammlung der Trittyenhoroi. Schließlich ein “Color Map” (die Orthographie dieses canadischen Buches ist U.S.-amerikanisch), an die Seite von Siewerts (a.O.) “Karte 4” tretend bzw. sie erzetzend.

Die epigraphischen Aspekte, die in diesem Buch selbstverständlich mehr Raum einnehmen, mögen Berufeneren zur Beurteilung überlassen bleiben; schon der historische Ausfall ist bedeutend. Ts Untersuchungen sind so detailliert, daß es nicht möglich ist, in einer Kurzbesprechung diese auch nur andeutungsweise anzusprechen. Eine wichtige Neuerscheinung, die auf den Regalen eines jeden mit Attika Befaßten unentbehrlich ist.

[Vgl. auch meine Besprechung von Traills Buch CR 39, 1989, 67-69.]

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